Price, A. F. and Wong Mou-Lam, 

'The Diamond Sutra'

in diess., 'The Diamond Sutra and the Sutra of Hui Neng'

Shambhala Publications Inc., Boulder 1969

Aus dem Engl. von Gerhard Münnich 1983

http://www.prajna.de/files/Diamant_sutra_de.pdf


Chinesischer Quelltext: Kumarajiva



1

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Anathapindika's Park bei Shravasti mit einer großen Gefolgschaft von Bhiksus, genau zwölfhundert und fünfzig. Eines Tages, früh am Morgen, kleidete sich der Erhabene an, nahm seine Schale und ging in die große Stadt Shravasti, um für sein Essen zu betteln. Mitten in der Stadt bettelte er von Tür zu Tür, wie es den Regeln entsprach. Danach ging er zu seiner Wohnstätte zurück und aß sein Mahl. Als er es beendet hatte, legte er sein Gewand und seine Bettelschale zur Seite, wusch seine Füße, legte seinen Sitz zurecht und setzte sich nieder.



2-1

Nun saß inmitten der Versammlung der ehrenwerte Subhuti. Sodann erhob dieser sich, entblößte seine rechte Schulter, kniete sich auf sein rechtes Knie, erhob voll Achtung seine Hände, deren Handflächen sich berührten und sagte zum Erhabenen :

2-2

"Erhabener, es ist äußerst kostbar, wie der Tathagata auf alle Bodhisattvas achtet, und sie so gut schützt und unterweist. Erhabener, wenn gute Männer und gute Frauen die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung suchen, was sollten sie beachten, und wie sollten sie ihre Gedanken überwachen?"

2-3

"Sehr gut, Subhuti! Genau wie Du sagst, achtet der Tathagata ständig auf seine Bodhisattvas, schützt und unterweist sie gut. Höre nun und nimm meine Worte in Dein Herz. Ich will Dir erklären, was gute Männer und gute Frauen, die die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung suchen, beachten sollten und wie sie ihre Gedanken überwachen sollten."

2-4

"Erhabener, ich bitte darum, tue es. In freudiger Erwartung sehnen wir uns, es zu hören."



3-1

"Subhuti, all die Bodhisattva-Helden sollten ihr Denken in folgender Weise schulen: Alle lebenden Wesen, in welchen Bereichen auch immer sie sein mögen, ob aus einem Ei, einem Schoß, aus der Feuchte oder aus Umwandlung geboren, ob mit Form oder ohne Form, ob in einem Zustand des Denkens oder frei von der Notwendigkeit zu denken, oder gänzlich jenseits aller Denkbereiche - all diese Wesen werde ich leiten, bis sie grenzenloses Freisein, Nirvana erreicht haben. Wenn auch eine gewaltige, unzählbare, unermessliche Anzahl von Wesen schon befreit wurde, so wurde doch überhaupt kein Wesen befreit. 

Warum, Subhuti? Weil kein Bodhisattva, der wahrlich Bodhisattva ist, die Vorstellung einer Ichheit, einer Person, eines Wesens oder eines abgegrenzten Individuums haben kann."



4-1

"Des weiteren, Subhuti, sollte ein Bodhisattva beim Ausüben von Wohltätigkeit losgelöst sein. Das bedeutet, er sollte Wohltätigkeit ausüben ohne Beachtung von äußerem Anschein, ohne Beachtung von Klang, Geruch, Berührung, Geschmack oder irgend einer Eigenschaft. Subhuti, so sollte der Bodhisattva Wohltätigkeit ausüben ohne Anhaftung. 

Warum? In so einem Fall ist sein Verdienst nicht zu ermessen.

Subhuti, was denkst Du? Kannst Du den gesamten Raum ausmessen, der sich ostwärts ausbreitet?"

4-2

"Nein Erhabener, ich kann es nicht."

4-3

"Kannst Du dann, Subhuti, den gesamten Raum ausmessen, der sich südwärts, westwärts, nordwärts oder in irgend einer anderen Richtung ausbreitet, Nadir und Zenit einbegriffen?"

4-4

"Nein Erhabener, ich kann es nicht."

4-5

"Nun, Subhuti, ebenso unermesslich ist der Verdienst des Bodhisattvas, der Wohltätigkeit ohne Anhaftung an Erscheinungen ausübt. Subhuti, Bodhisattvas sollten in dieser Belehrung gründend ausdauern."



5-1

"Subhuti, was denkst Du? Ist der Tathagata durch einige materielle Eigenschaften zu erkennen?"

5-2

"Nein Erhabener, der Tathagata kann nicht durch irgend eine materielle Eigenschaft erkannt werden. Warum? Weil der Tathagata gesagt hat, dass materielle Eigenschaften nicht wahrlich materielle Eigenschaften sind."

5-3

"Subhuti, wo auch immer materielle Eigenschaften sind, da ist Täuschung. Aber der so wahrnimmt, dass alle Eigenschaften in Wahrheit Nicht-Eigenschaften sind, der nimmt den Tathagata wahr."



6-1

"Erhabener, wird es immer Menschen geben, die wahrlich verstehen, nachdem sie gekommen sind, um diese Belehrung zu erhalten?"

6-2

"Subhuti, äußere nicht solche Worte. Am Ende der letzten Fünfhundert-Jahres-Periode, die dem Dahingehen des Tathagata folgt, wird es selbstbeherrschte Menschen geben, die in Verdienst wurzeln, die kommen um diese Belehrung zu hören, die von Verstehen inspiriert sein werden. Aber Du solltest einsehen, dass solche Menschen die Wurzel ihrer Verdienste nicht nur unter einem Buddha oder zwei Buddhas oder drei oder vier oder fünf Buddhas gefestigt haben, sondern unter zahllosen Buddhas. Und ihr Verdienst ist von jeder Art. In solchen Menschen, die kommen, um diese Belehrung zu hören, wird reines Vertrauen unmittelbar aufsteigen. Und der Tathagata wird sie erkennen. Ja, er wird all diese reinen Herzen klar wahrnehmen und die Größe ihrer moralischen Vortrefflichkeit.

Warum? Weil solche Menschen nicht zurückfallen, um die Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität zu hegen. Weiter werden sie nicht zurückfallen, um Vorstellungen wie 'frei sein von inneren Eigenschaften' zu hegen. 

Warum? Weil, wenn solche Menschen ihrem Denken erlaubten, alles zu ergreifen und festzuhalten, dann würden sie die Idee einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität hegen. Und wenn sie die Vorstellung von Begriffen wie 'Besitz von inneren Eigenschaften' ergriffen und daran festhielten, dann würden sie die Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität hegen. Gleichermaßen, wenn sie die Vorstellung von Begriffen wie 'frei sein von inneren Eigenschaften' ergriffen und daran festhielten, so würden sie die Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität hegen. So solltest Du nicht Begriffen wie 'Besitz von inneren Eigenschaften' oder 'frei sein von inneren Eigenschaften' anhängen. Das ist der Grund, warum der Tathagata immer diese Aussage lehrt : Meine Lehre vom guten Gesetz gleicht einem Floß. Die Buddha-Lehre muss aufgegeben werden; um wieviel mehr muss dies die Irrlehre."



7-1

"Subhuti, was denkst Du? Hat der Tathagata die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erreicht? Hat der Tathagata ein Dharma zu verkünden?"

7-2

"Wie ich die Lehre des Erhabenen verstehe, gibt es keine Fassung der Wahrheit, die 'Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung' genannt wird. 

Darüber hinaus hat der Tathagata gesagt, dass Wahrheit unfassbar und nicht auszudrücken ist. Weder ist sie, noch ist sie nicht. Deswegen ist dieser unfassbare Grundsatz die Begründung der verschiedenen Lehrweisen aller Weisen."



8-1

"Subhuti, was denkst Du? Wenn jemand dreitausend Galaxien von Welten mit den sieben Schätzen füllte und alles als Gaben von Almosen weggäbe, würde er somit großen Verdienst erwerben?"

8-2

"Tatsächlich groß, Erhabener! 

Warum? Weil Verdienst die Beschaffenheit von Nicht-Verdienst in sich trägt, bezeichnet der Tathagata den Verdienst als groß."

8-3

"Andererseits, wenn jemand auch nur vier Zeilen dieser Belehrung empfinge und behielte und sie anderen lehrte und erklärte, so würde sein Verdienst größer sein. 

Warum? Weil, Subhuti, von dieser Belehrung alle Buddhas und die Lehren aller Buddhas über die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung ausgehen.

Subhuti, was da 'die von Buddha gegebene Religion' genannt wird, ist in Wahrheit nicht Buddha-Religion."



9-1

"Subhuti, was denkst Du? Sagt ein Schüler, der in den Strom des heiligen Lebens eingetreten ist, in sich selbst : 'Ich erlange die Frucht eines in den Strom Eingetretenen'?"

9-2

"Nein, Erhabener. 

Warum? Weil 'ein in den Strom Eingetretener' nur ein Name ist. Es gibt keinen Strom-Eintritt. Der Schüler, der nicht Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung oder anderen Eigenschaften Beachtung schenkt, der wird 'ein in den Strom Eingetretener' genannt."

9-3

"Subhuti, was denkst Du? Sagt ein Adept, dem nur eine einzige Wiedergeburt bevorsteht, in sich selbst : 'Ich erlange die Frucht eines 'nur noch einmal Wiederkommenden'?"

9-4

"Nein, Erhabener. 

Warum? Weil 'nur noch einmal wiederkommen' nur ein Name ist. Es gibt kein Verscheiden, noch gibt es einen Eintritt ins Dasein. Das wird 'nur noch einmal wiederkommen' genannt."

9-5

"Subhuti, was denkst Du? Sagt ein Ehrenwerter, der nie mehr als Sterblicher wiedergeboren wird, in sich selbst : 'Ich erlange die Frucht eines Nicht-Wiederkommenden'?"

9-6

"Nein, Erhabener. 

Warum? Weil 'Nicht-Wiederkommender' nur ein Name ist. Es gibt kein Nicht-Wiederkommen; deshalb die Benennung 'Nicht-Wiederkommender'. "

9-7

Subhuti, was denkst Du? Sagt ein Heiliger in sich selbst : 'Ich habe 'vollkommene Erleuchtung' erlangt'?"

9-8

"Nein, Erhabener. 

Warum? Weil es keinen solchen Zustand gibt, wie den, der 'Vollkommene Erleuchtung' genannt wird. Erhabener, wenn ein Heiliger der Vollkommenen Erleuchtung in sich sagte : 'So bin ich', so würde er zwangsläufig die Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgesonderten Individualität hegen. 

Erhabener, wenn der Buddha erklärt, dass ich inmitten der Menschen im Yoga der vollkommenen Stille, im Verweilen in Zurückgezogenheit und im Freisein von Leidenschaften herausrage, so sage ich nicht in mir selbst : 'Ich bin ein Heiliger der Vollkommenen Erleuchtung, frei von Leidenschaften'.  Erhabener, wenn ich in mir sagte : 'So bin ich', so würdest Du nicht erklären : 'Subhuti empfindet Glückseligkeit beim Verweilen in Frieden, in Zurückgezogenheit inmitten des Waldes. Das ist so, weil Subhuti nirgendwo verweilt : Daher wird er 'Subhuti, Freudevoll-Verweilender-in-Friede, Verweiler-in-der-Waldzurückgezogenheit' genannt'. "



10-1

"Subhuti, was denkst Du? In ferner Vergangenheit, als der Tathagata bei Dipankara Buddha weilte, war Er da auf irgend einer Stufe von Vollendung im Dharma?"

10-2

"Nein, Erhabener. Als der Tathagata bei Dipankara Buddha weilte, war Er auf keiner Stufe von Vollendung im Dharma."

10-3a

"Subhuti, was denkst Du? Erzeugt ein Bodhisattva irgendwelche erhabenen Buddha-Reiche?"

10-3b

"Nein, Erhabener. 

Warum? Weil 'Erzeugen von erhabenen Buddha-Reichen' kein erhabenes Erzeugen ist. Es ist nur ein Name."

10-4

"Daher, Subhuti, sollten alle Bodhisattvas, kleinere und große, ein reines, leuchtendes Bewusstsein entwickeln, das nicht von Klang, Geschmack, Berührung, Geruch oder irgend einer Eigenschaft abhängt. Ein Bodhisattva sollte ein Bewusstsein entwickeln, das sich auf gar keiner Sache festsetzt. Und so sollte er das einrichten."

10-5

"Subhuti, für eine menschliche Geisteshaltung mag das vergleichbar sein mit der Größe des mächtigen Berges Sumeru. Was denkst Du? Wäre solch ein Wesen groß?"

10-6

"Gewiss wäre es groß, Erhabener. Das ist so, weil der Erhabene erklärt hat, dass kein Wesen ein 'großes Wesen' genannt wird."



11-1

"Subhuti, wenn es soviele Ganges Ströme gäbe, wie Sandkörner des Ganges, würden die Sandkörner von allen zusammen von großer Zahl sein?"

11-2

"Gewiss von großer Zahl, Erhabener! Selbst die Ganges-Ströme wären unzählbar; um wieviel mehr würden es deren Sandkörner sein!"

11-3

"Subhuti, ich will Dir eine Wahrheit erklären. Wenn ein guter Mann oder eine gute Frau für jedes Sandkorn aus all jenen Ganges Strömen dreitausend Galaxien von Welten mit den sieben Schätzen füllte, würde er großen Verdienst erlangen?"

11-4

"Gewiss groß, Erhabener!"

11-5

"Nichtsdestoweniger, Subhuti, wenn ein guter Mann oder eine gute Frau diese Belehrung nur soweit ergründet, um vier Zeilen zu empfangen und zu behalten und sie anderen lehrt und erklärt, würde der daraus folgende Verdienst weit größer sein."



12-1

"Darüber hinaus, Subhuti, solltest Du wissen, wo auch immer diese Belehrung verkündet wird, und seien es auch nur vier Zeilen davon, dieser Platz sollte von allen Reichen der Götter, Menschen und Titanen verehrt werden, als ob es eine Stätte Buddhas sei. Um wieviel mehr gilt das für die Begegnung mit einem, der fähig ist das Gesamte zu behalten und es vollständig darzulegen! Subhuti, Du solltest wissen, dass ein solcher die höchste und wundervollste Wahrheit erlangt. Wo auch immer diese heilige Belehrung verkündet werden mag, da solltest Du Dich einstimmen wie in der Gegenwart des Buddha und ehrenwerter Schüler."



13-1

"Erhabener, unter welchem Namen sollte diese Belehrung bekannt werden und wie sollten wir sie empfangen und behalten?"

13-2

"Subhuti, diese Belehrung sollte bekannt werden als 'Vajrachchedika Prajnaparamita' ('Der Diamant der Vollendung der Transzendentalen Weisheit') - so sollst Du sie empfangen und behalten. 

Subhuti, was ist der Grund hierfür? In Übereinstimmung mit dem Dharma ist die Vollendung der Transzendentalen Weisheit nicht wirklich eine solche. 'Vollendung der Transzendentalen Weisheit' ist nur ein Name dafür."

13-3

"Subhuti, was denkst Du? Hat der Tathagata eine Lehre darzulegen?"

13-4

"Erhabener, der Tathagata hat nichts zu lehren."

13-5

"Subhuti, was denkst Du? Wären da viele Moleküle in dreitausend Galaxien von Welten?"

13-6a

"Gewiß viele, Erhabener!"

13-6b

"Subhuti, der Tathagata erklärt, dass all diese Moleküle nicht wirklich solche sind; sie werden 'Moleküle' genannt. Der Tathagata erklärt, dass eine Welt nicht wirklich eine Welt ist; sie wird 'eine Welt' genannt."

13-7

"Subhuti, was denkst Du? Kann der Tathagata an den zweiunddreißig körperlichen Merkmalen erkannt werden?"

13-8

"Nein, Erhabener, der Tathagata kann nicht an den zweiunddreißig Merkmalen erkannt werden. 

Warum? Weil der Tathagata erklärte, dass die zweiunddreißig Merkmale nicht wirklich solche sind. Sie werden 'die zweiunddreißig Merkmale' genannt."

13-9

"Subhuti, wenn einerseits ein guter Mann oder eine gute Frau so viele seiner Leben aufopfert, wie es Sandkörner im Ganges gibt und wenn andererseits irgend jemand auch nur vier Zeilen dieser Belehrung empfängt und behält und sie anderen lehrt und erklärt, so wird der Verdienst des letzteren größer sein."



14-1

Bei der Gelegenheit, diese Belehrung zu hören, erlebte Subhuti deren Bedeutung als innere Wirklichkeit und er wurde zu Tränen gerührt. Worauf er zu Buddha sprach :

14-2

"Es ist unermesslich wertvoll, O Erhabener, dass Du diese tiefgründigste Belehrung vorgetragen hast. Nie hatte ich seit der Zeit, als das Auge der Weisheit sich mir zuerst öffnete, eine derartige Belehrung gehört. Erhabener, wenn irgend jemand diese Belehrung in Vertrauen, mit einem reinen, leuchtenden Geist hört, so wird er hierdurch eine Einsicht in die grundlegende Wahrheit empfangen. Wir sollten wissen, dass ein solcher den beachtlichsten Verdienst erwirbt. 

Erhabener, eine solchen Einsicht in die grundlegende Wahrheit ist wahrlich keine gesonderte Einsicht. Daher lehrt der Tathagata: 'Einsicht in die grundlegende Wahrheit' ist nur ein Name.

Erhabener, indem ich dieser Belehrung zuhöre, empfange und behalte ich sie in Vertrauen und Einsicht. Für mich ist das nicht schwierig. Aber in kommenden Zeitaltern - in den letzten fünfhundert Jahren, wenn da Menschen kommen, um diese Belehrung zu hören und diese mit Vertrauen und Einsicht empfangen und behalten, so werden das Menschen mit höchst bemerkenswerter Verwirklichung sein. 

Warum? Weil sie frei sein werden von der Vorstellung einer Persönlichkeit, frei von der Vorstellung eines Wesens und frei von der Vorstellung einer abgegrenzten Individualität. Und warum? Weil das Hervortun einer Ichheit irreführend ist.

Gleichermaßen ist das Hervortun einer Persönlichkeit oder eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität irreführend. Folglich werden all jene, die alle Unterscheidung in den Erscheinungen zurückgelassen haben, Buddhas genannt."

14-3

"Genau wie Du sagst! Wenn irgend jemand dieser Belehrung zuhört, der weder voll Beunruhigung, noch voll Scheu, noch voll Angst ist, sei gewiss, dass ein solcher von bemerkenswerter Verwirklichung ist. Warum? Weil, Subhuti, der Tathagata lehrt, dass die erste Vollkommenheit nicht wirklich die erste Vollkommenheit ist. Solches ist nur ein Name."

14-4

"Subhuti, der Tathagata lehrt gleichermaßen, dass die Vollkommenheit in Geduld nicht die Vollkommenheit in Geduld ist. Solches ist nur ein Name. 

Warum? Es wird auf diese Weise gezeigt, Subhuti :

Als der König von Kalinga meinen Körper verstümmelte, zu dieser Zeit war ich frei von der Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens und einer abgegrenzten Individualität. 

Warum? Denn wäre ich dann, als meine Glieder Stück für Stück abgeschnitten wurden, den zuvor genannten Unterscheidungen verhaftet gewesen, so wären Gefühle von Ärger und Hass in mir aufgestiegen. 

Subhuti, ich erinnere mich, dass ich vor langer Zeit einmal, im Laufe meiner letzten vergangenen fünfhundert sterblichen Verkörperungen, ein Asket war und Geduld übte. Sogar damals war ich frei von jenen Unterscheidungen abgesonderter Ichheit.

Daher, Subhuti, sollen Bodhisattvas jede Unterscheidung in den Erscheinungen zurücklassen und das Bewusstsein der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erwecken, indem sie dem Geist nicht erlauben an Eindrücken zu haften, die von der sinnlichen Welt hervorgerufen werden; indem sie dem Geist nicht erlauben, an Eindrücken zu haften, die durch Klänge, Gerüche, Geschmacksempfindungen, Berührungen oder sonstige Eigenschaften hervorgerufen werden.

Der Geist sollte keinem Gedanken anhaften, der in ihm aufsteigt. Wenn der Geist von irgend etwas abhängt, so hat er keinen wahren Grund. Daher lehrt der Buddha, dass der Geist eines Bodhisattvas nicht die Erscheinung von Dingen als Grund nehmen sollte, wenn er wohltätig ist. Subhuti, da Bodhisattvas zum Wohl aller Lebewesen tätig sind, sollten sie es auf diese Weise tun.

Genau wie der Tathagata erklärt, dass Eigenschaften keine Eigenschaften sind, so erklärt er, dass alle Lebewesen in Wahrheit nicht Lebewesen sind."

14-5

"Subhuti, der Tathagata ist Er, der verkündet was wahr ist. Er, der verkündet was grundlegend ist. Er, der verkündet was endgültig ist. Er verkündet nicht das, was Täuschung ist, noch das, was absonderlich ist. Subhuti, diese Wahrheit, die der Tathagata erreichte, ist weder wirklich noch unwirklich."

14-6

"Subhuti, wenn ein Bodhisattva wohltätig ist mit einem an Dharma haftenden Geist, gleicht er einem Mann, der blind im Dunkeln tappt. Aber ein Bodhisattva, der wohltätig ist mit einem von jeglichem Dharma gelösten Geist, der gleicht einem Mann mit offenen Augen in der strahlenden Pracht des Morgens, dem jeder Gegenstand klar sichtbar ist.

Subhuti, wenn es in künftigen Zeitaltern gute Männer und gute Frauen gibt, fähig diese Belehrung in ihrer Gesamtheit zu empfangen, zu lesen und wiederzugeben, so erkennt der Tathagata sie mittels Seiner Buddha-Erkenntnis. Und jeder von diesen wird unermesslichen und nicht zu berechnenden Verdienst erwirken."



15-1

"Subhuti, wenn einerseits ein guter Mann oder eine gute Frau am Morgen so viele wohltätige Taten der Selbstverleugnung ausübte, als es Sandkörner im Ganges gibt und nochmals so viele zur Mittagszeit und nochmals so viele am Abend und dieses Tun übten sie während zahlloser weiterer Zeitalter aus und, wenn andererseits irgend jemand diese Belehrung mit vertrauensvollem Herzen und ohne Streitigkeit anhörte, so würde letzterer gesegneter sein.

Aber wie wäre es möglich einen Vergleich zu demjenigen zu treffen, der dies niederschreibt, der dies empfängt, der dies behält und der dies anderen erklärt?

Subhuti, wir können dieses Anliegen zusammenfassen, indem wir sagen, dass der wahre Wert dieser Belehrung weder erfassbar noch abschätzbar ist, noch gibt es irgend eine Grenze dafür. Der Tathagata hat diese Belehrung zur Wohltat für die Eingeweihten des höchsten Weges erklärt. Er hat es zur Wohltat der Eingeweihten des höchsten Weges erklärt. Wer auch immer diese Lehre empfangen und behalten kann, sie durchdenken, sie wiedergeben und verbreiten kann, der wird vom Tathagata klar wahrgenommen und erkannt und sein Verdienst wird Vollkommenheit erreichen, jenseits von Maß und Berechnung - eine Vollkommenheit an Verdienst, unbegrenzt und unvorstellbar. In jedem Fall wird ein solcher die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung des Tathagata erklären. 

Warum? Weil, Subhuti, jene, die in begrenzten Grundsätzen, einschließlich der Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität Trost finden, sie können diese Belehrung nicht aufnehmen, empfangen, durchdenken, wiedergeben und unverhüllt erklären.

Subhuti, an jedem Ort, an dem diese Belehrung stattfindet, sollten alle Reiche der Götter, Menschen und Titanen ihre Verehrung darbringen. Denn Du musst wissen, dass so ein Ort gesegnet ist wie ein Heiligtum und er sollte von allen mit Verbeugung und Umgehung und mit Darbringung von Blumen und Weihrauch achtsam verehrt werden."



16-1

"Weiterhin, Subhuti, wenn gute Männer und gute Frauen, die diese Belehrung empfangen und behalten, niedergeschlagen sind, so ist ihr übles Schicksal das unvermeidliche Ergebnis von Vergehen, die sie in ihren vergangenen sterblichen Verkörperungen begangen haben. Durch ihr gegenwärtiges Unglück werden die Rückwirkungen aus ihrer Vergangenheit aufgearbeitet und sie gelangen in einen Zustand um die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung zu erreichen.

Subhuti, ich erinnere mich an die unendlich ferne Vergangenheit, vor Dipankara Buddha. Es gab 84000 Myriaden von Multi-Millionen Buddhas und all diesen brachte ich Gaben dar. Ja, diesen diente ich ohne der kleinsten Spur von Fehler. Nichtsdestoweniger, wenn jemand fähig ist, diese Belehrung am Ende der letzten Periode zu empfangen, zu behalten, zu durchdenken und wiederzugeben, wird er solchen Verdienst gewinnen, dass mein Dienst an all den Buddhas nicht den hundertsten Teil davon, nicht einmal den tausendsten Teil davon, nicht einmal den tausend myriarden-multi-millionsten Teil davon ausmachen würde - wahrlich, kein solcher Vergleich ist möglich.

Subhuti, wenn ich den Verdienst vollständig in Einzelheiten darlegen würde, den gute Männer und gute Frauen gewinnen, wenn sie in der letzten Periode kommen um diese Belehrung zu empfangen, zu behalten, zu durchdenken und wiederzugeben, so würden meine Zuhörenden mit Zweifel angefüllt werden und ihr Geist könnte verwirrt und argwöhnisch werden und an Vertrauen verlieren. Du solltest wissen, Subhuti, dass die Bedeutung dieser Belehrung jenseits von Vorstellungen ist. Gleichermaßen ist die Frucht ihres Gewinns jenseits von Vorstellungen."



17-1

"Erhabener, wenn gute Männer und gute Frauen die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung suchen, nach welchen Merkmalen sollten sie sich ausrichten und wie sollten sie ihre Gedanken überwachen?"

17-2

"Gute Männer und gute Frauen, die die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung suchen, müssen diese entschlossene Einstellung des Geistes erzeugen : 'Ich muß alle Lebewesen befreien. Wenn jedoch alle befreit worden sind, so wurde wahrlich kein einziges befreit.' 

Warum? Wenn ein Bodhisattva die Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens oder einer abgegrenzten Individualität hegt, so ist er folglich kein Bodhisattva, Subhuti. 

Das ist so, weil es in Wirklichkeit keine Regel für das Hereinbrechen der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung gibt."

17-3

"Was denkst Du, Subhuti? Als der Tathagata bei Dipankara Buddha war, gab es da irgend eine Regel zur Erlangung der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung?"

17-4

"Nein, Erhabener. Wie ich die Darlegung des Buddha verstand, gab es keine Regel, durch die der Tathagata die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erlangte."

17-5

"Das ist wahr, Subhuti! Wahrlich, es gab keine Regel, durch die der Tathagata die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erlangte. Subhuti, hätte es irgend eine solche Regel gegeben, so hätte Dipankara Buddha über mich nicht vorausgesagt : 'In kommenden Zeitaltern wirst Du zu einem Buddha verwirklichen und Shakyamuni genannt werden.' Aber Dipankara Buddha machte diese Voraussage über mich, weil es wahrlich keine Regel zur Erlangung der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung gibt. 

Der Grund liegt hierin, dass der Tathagata alle Regeln in sich vereint. Falls irgend jemand sagt, dass der Tathagata die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erreicht hat, sage ich Dir wahrhaftig, Subhuti, dass es keine Regel gibt, durch die der Buddha es erreichte.

Subhuti, die Grundlage von Tathagata's Erlangung der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung ist gänzlich jenseits. Weder ist sie wirklich, noch ist sie unwirklich.

Daher sage ich, dass der gesamte Bereich der Darstellungen nicht wirklich ein solcher ist. Daher wird er 'Bereich der Darstellungen' genannt. 

Subhuti, zum Vergleich mag eine gewaltige menschliche Gestalt betrachtet werden."

17-6

"Der Erhabene hat erklärt, dass eine solche keine gewaltige Gestalt ist. 'Eine gewaltige Gestalt' ist nur der Name, der ihr gegeben wurde."

17-7a

17-7b

17-7c

"Subhuti, dasselbe gilt für Bodhisattvas. Wenn ein Bodhisattva ankündigt : 'ich will alle lebenden Wesen befreien', so wird er nicht der Wahrheit gemäß ein Bodhisattva genannt. 

Warum? Weil, Subhuti, es nicht wirklich einen solchen, 'Bodhisattva' genannten Zustand gibt. Weil der Buddha lehrt, dass alle Dinge leer von Ichheit, leer von Persönlichkeit, leer von Wesenheit und leer von abgegrenzter Individualität sind. Subhuti, wenn ein Bodhisattva ankündigt : 'ich will erhabene Buddha-Reiche erschaffen', so nennt man ihn nicht einen Bodhisattva, weil der Tathagata erklärt hat, dass die Erschaffung erhabener Buddha-Reiche nicht wahrlich eine solche ist. 'Eine erhabene Erschaffung' ist nur der Name, der diesem gegeben wurde.

Subhuti, Bodhisattvas, die ganz leer von irgend einer Vorstellung abgesonderter Selbstheit sind, werden wahrhaft Buddhas genannt."



18-1

"Subhuti, was denkst Du? Besitzt der Tathagata das menschliche Auge?"

18-2

"Ja, Erhabener, er besitzt es."

18-3

"Nun, denkst Du, dass der Tathagata das göttliche Auge besitzt?"

18-4

"Ja, Erhabener, er besitzt es."

18-5

"Und denkst Du, dass der Tathagata das wissende Auge besitzt?"

18-6

"Ja, Erhabener, er besitzt es."

18-7

"Und denkst Du, dass der Tathagata das Auge der transzendenten Weisheit besitzt?"

18-8

"Ja, Erhabener, er besitzt es."

18-9

"Und denkst Du, dass der Tathagata das Auge der Allwissenheit besitzt?"

18-10

"Ja, Erhabener, er besitzt es."

18-11

"Subhuti, was denkst Du? Was die Sandkörner des Ganges betrifft, hat der Tathagata von diesen gelehrt?"

18-12

"Ja, Erhabener, der Tathagata hat von diesen Sandkörnern gelehrt."

18-13

"Nun, Subhuti, wenn es so viele Ganges-Ströme wie Sandkörner des Ganges gäbe, und es gäbe ein Buddha-Reich für jedes dieser Sandkörner aus all diesen Ganges-Strömen. Würden jene Buddha-Reiche von großer Zahl sein?"

18-14

"Wahrlich, Erhabener, von großer Zahl."

18-15

"Subhuti, wie viele Lebewesen auch immer in jenen Buddha-Reichen sind und obgleich sie mannigfaltige Zustände des Geistes haben, versteht der Tathagata sie alle. 

Warum? Weil der Tathagata lehrt, dass sie alle nicht Geist sind. Sie werden nur 'Geist' genannt.

Subhuti, es ist nicht möglich, vergangenen Geist wieder zu erhalten. Es ist nicht möglich, gegenwärtigen Geist festzuhalten. Es ist nicht möglich, zukünftigen Geist zu ergreifen."



19-1

"Subhuti, was denkst Du? Wenn jemand dreitausend Galaxien von Welten mit den sieben Schätzen füllte und alles als Almosen verteilte, würde dieser großen Verdienst gewinnen?"

19-2

"Ja, Erhabener, gewiss würde er großen Verdienst gewinnen!"

19-3

"Subhuti, wenn solcher Verdienst wirklich wäre, würde der Tathagata ihn nicht als groß erklärt haben. Aber weil er keine Grundlage besitzt, erklärt der Tathagata ihn als 'groß'. "



20-1

"Subhuti, was denkst Du? Kann der Tathagata an seinem vollkommenen Körper erkannt werden?"

20-2

"Nein, Erhabener, der Tathagata kann nicht an seinem vollkommenen Körper erkannt werden, weil der Tathagata lehrt, dass ein vollkommen geformter Körper nicht wirklich ein solcher ist. Er wird nur 'ein vollkommen geformter Körper' genannt."

20-3

"Subhuti, was denkst Du? Kann der Tathagata mittels irgendwelcher erscheinungsmäßiger Merkmale erkannt werden?"

20-4

"Nein, Erhabener, der Tathagata kann nicht mittels irgendwelcher erscheinungsmäßiger Merkmale erkannt werden, weil der Tathagata lehrt, dass erscheinungsmäßige Merkmale nicht wirklich so sind. Sie werden nur 'erscheinungsmäßige Merkmale' genannt."



21-1a

21-1b

"Subhuti, sage nicht, dass der Tathagata den Gedanken faßt : 'ich muß eine Lehre begründen'."  

21-2

Denn wenn irgend jemand sagt, dass der Tathagata eine Lehre begründet, so verleumdet der den Tathagata und ist unfähig zu erklären, was ich lehre. Wie für jedes Gefüge zur Erklärung der Wahrheit die Wahrheit nicht erklärbar ist, so ist 'Verkündung der Wahrheit' nur der Name dafür."

21-3

"Erhabener, wird es in zukünftigen Zeitaltern Menschen geben, die wegen des Anhörens einer Erklärung zu dieser Belehrung kommen und die mit Einsicht erfüllt sein werden?"

21-4

"Subhuti, jene, auf die Du hinweist, sind weder Lebewesen, noch sind es Nicht-Lebewesen. 

Warum? Weil 'Lebewesen', Subhuti, diese 'Lebewesen' nicht wahrlich solche sind. Sie werden mit diesem Namen nur so genannt."



22-1a

22-1b

'Erhabener, gewann der Buddha bei der Erlangung der Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung überhaupt nichts?"

22-2

"Genau so, Subhuti. Durch die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung gewann ich nicht einmal das Geringste. Daher wird sie 'Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung' genannt."



23

"Weiterhin, Subhuti, es ist alles in allem, überall, daher wird es 'Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung' genannt. Es wird unmittelbar erreicht durch Freisein von abgrenzender persönlicher Eigenart und durch Pflege aller Arten von Güte. Subhuti, obwohl wir von Güte sprechen, erklärt der Tathagata, dass es keine 'Güte' gibt. Solches ist nur ein Name."



24

"Subhuti, wenn es jemanden gibt, der Gaben von Almosen austeilt, eine Menge der sieben Schätze dem Ausmaße so vieler mächtiger Berge Sumeru gleich, wie es in dreitausend Galaxien von Welten geben würde, und wenn es einen anderen gäbe, der auch nur vier Zeilen von dieser Belehrung über die Vollendung der transzendentalen Weisheit auswählt, empfängt und behält und sie anderen klar erläutert, so wird der Verdienst des letzteren gegenüber dem des ersteren um soviel größer sein, dass kein erdenklicher Vergleich zwischen ihnen getroffen werden kann."



25

"Subhuti, was denkst Du? Niemand soll sagen, der Tathagata hege die Vorstellung : 'ich muß alle Lebewesen befreien'.  Erlaube kein solches Denken, Subhuti. 

Warum? Weil es in Wahrheit keine Lebewesen gibt, um vom Tathagata befreit zu werden. Wenn es für den Tathagata Lebewesen zu befreien gäbe, dann würde er an der Vorstellung einer Ichheit, einer Persönlichkeit, eines Wesens und einer abgegrenzten Individualität teilhaben.

Subhuti, obwohl die gewöhnlichen Menschen Ichheit als wahr annehmen, erklärt der Tathagata, dass Ichheit nicht verschieden ist von Nicht-Ichheit. 

Subhuti, die der Tathagata als 'gewöhnliche Menschen' bezeichnet, sind nicht wirklich gewöhnliche Menschen. Solches ist nur ein Name."



26-1

"Subhuti, was denkst Du? Kann der Tathagata an den zweiunddreißig Merkmalen erkannt werden?"

26-2

"Ja, gewiß kann der Tathagata daran erkannt werden."

26-3

"Subhuti, wenn der Tathagata an solchen Merkmalen erkannt werden kann, so ist jeder große Herrscher dasselbe wie der Tathagata."

26-4

"Erhabener, wie ich die Worte des Buddha verstand, kann der Tathagata nicht an den zweiunddreißig Merkmalen erkannt werden."

26-5

Worauf der Erhabene diesen Vers äußerte :

26-6

Wer mich als Form sieht,
Wer mich als Klang sucht,
Verkehrt sind dessen Schritte auf dem Weg,
Der kann den Tathagata nicht wahrnehmen. '



27

"Subhuti, wenn Du die Vorstellung hegst, dass der Tathagata die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung aufgrund seiner vollkommenen Form erreichte, so behalte solches Denken nicht bei. Das Erreichen des Tathagata geschah nicht aufgrund seiner vollkommenen Form. Subhuti, wenn Du die Vorstellung hegen solltest, dass einer, in dem die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erwacht, erklärt, dass das gesamte offenbare Gefüge beendet und ausgelöscht ist, so behalte solches Denken nicht bei. 

Warum? Weil jener, in dem die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung erwacht, betreffs irgend eines Dharmas nicht erklärt, dass es endgültig aufgelöst ist."



28-1

"Subhuti, wenn ein Bodhisattva aus Wohltätigkeit eine Menge der sieben Schätze verschenkt, die ausreicht um soviele Welten zu füllen, als es Sandkörner im Ganges gibt, und ein anderer die Ichlosigkeit aller Dinge verwirklicht und Vollkommenheit durch geduldige Entsagung erreicht, so übersteigt der Verdienst des letzteren weit den des ersteren. 

Warum, Subhuti? Weil alle Bodhisattvas den Früchten von Verdiensten gegenüber gleichmütig sind."

28-2

"Was bedeutet es, O Erhabener, dass Bodhisattvas, die Früchte von Verdiensten betreffend, gleichmütig sind?"

28-3

"Subhuti, Bodhisattvas, die Verdienst erlangen, sollten nicht an Verlangen nach Belohnung gefesselt sein. Daher heißt es, dass die Früchte von Verdiensten nicht empfangen werden."



29

"Subhuti, wenn irgend jemand sagen sollte, dass der Tathagata kommt oder geht oder sitzt oder liegt, der verfehlt es, meine Lehre zu verstehen. 

Warum? Weil der Tathagata weder woher noch wohin hat, daher wird er 'Tathagata' genannt."



30-1

"Subhuti, wenn ein guter Mann oder eine gute Frau unendlich viele Galaxien von Welten in deren Bestandteile zerlegte, würden die so entstehenden winzigen Teilchen von großer Zahl sein?"

30-2

"Gewiß viele, O Erhabener! 

Warum? Weil, wenn es wahrlich winzige Teilchen wären, so würde der Erhabene von ihnen nicht als von winzigen Teilchen gesprochen haben. Sie betreffend hat der Tathagata erklärt, dass sie nicht wahrlich solche sind. 'Winzige Teilchen' ist nur der Name, der ihnen gegeben wurde. Ebenso O Erhabener, wenn der Tathagata von Galaxien von Welten spricht, sind jenes nicht Welten. 

Denn wenn die Wahrheit für eine Welt begründet werden könnte, so würde es ein eigenständiger Kosmos sein und der Tathagata lehrt, dass es wahrlich nicht ein solches Ding gibt. 'Kosmos' ist nur eine Aussageform."

30-3

"Subhuti, Worte können die wahre Natur eines Kosmos nicht erklären. Nur gewöhnliche Leute, die an Begierden gefesselt sind, gebrauchen diese willkürliche Denkweise."



31-1

"Subhuti, wenn jemand sagen sollte, dass der Tathagata irgend eine Vorstellung von Ichheit verkündet, hältst Du es für möglich, dass er meine Belehrung recht verstanden hätte?"

31-2

"Nein, Erhabener, ein solcher würde nicht einen Laut von Tathagata's Belehrung verstanden haben, weil der Erhabene erklärt, dass es irreführend ist, Bezeichnungen wie Ichheit, Persönlichkeit, Wesen und abgegrenzte Individualität als wahr seiend anzunehmen."

31-3

"Subhuti, jene, die die Vollendung der Unvergleichlichen Erleuchtung anstreben, sollten die Vielfalt aller Dinge ein-sichtig erkennen und verstehen und das Erscheinen von Aspekten zerschneiden. Subhuti, was Aspekte betrifft erklärt der Tathagata, dass es in Wahrheit keine solchen gibt. Sie werden 'Aspekte' genannt."



32-1

"Subhuti, jemand mag unzählige Welten mit den sieben Schätzen füllen und alles als Geschenke von Almosen verteilen, aber wenn irgend ein guter Mann oder eine gute Frau den Erleuchtungsgeist erweckt und dieser Belehrung auch nur vier Zeilen entnimmt, diese aufsagt, sich an ihnen ausrichtet, diese anerkennt, behält und sie zum Wohle von anderen weitergibt und erklärt, so wird dieses weit wertvoller sein. Nun, auf welche Weise mag er sie anderen erklären? Durch Loslösung von Erscheinungen - in endgültiger Wahrheit verweilend. - 

So sage ich euch -

So sollt ihr über diese ganze flüchtige Welt denken :

Ein Stern in der Morgendämmerung, eine Blase im Strom, 

Ein leuchtender Blitz, eine Sommerwolke,

Eine flackernde Leuchte, ein Gespinst und ein Traum."

32-2

Als der Erhabene diese Belehrung beendete, waren der ehrenwerte Subhuti zusammen mit den Bhikkus, den Bhikkunis, den Laien-Brüdern und Laien-Schwestern und den gesamten Reichen der Götter, Menschen und Titanen von Freunde über seine Belehrung erfüllt, nahmen sich diese aufrichtig zu Herzen und gingen ihre Wege.