Krause, Conni

'Das Edle Mahayāna-Sūtra der Vollkommenheit der Weisheit, genannt: Unerschütterliche Beendigung'

FPMT Inc, OR, USA

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Tibetischer Quelltext: Kloster Tashi Khyil, o. J. und Lhasa-Zhöl-Ausgabe



1

Folgendes habe ich einst vernommen: Der Erhabene hielt sich mit einer großen Sangha von Ordinierten - 1250 Mönchen - sowie zahlreichen Großen Bodhisattvas im Gartengelände von Anāthapiṇṇada im Park des Prinzen Jeta in Śrāvasti auf. 

Am Morgen legte der Erhabene dann den Mönchsrock und Umhang an, nahm die Almosenschale und begab sich auf Almosengang hinaus in die große Stadt Śrāvasti. Nach dem Almosengang in die große Stadt Sravasti nahm er die Speisen zu sich. Nachdem er die Speisen zu sich genommen hatte, legte er den Umhang und die Almosenschale beiseite, denn er hatte es aufgegeben, später am Tage zu essen. Er wusch seine Füße, ließ sich in Vajrahaltung auf einem für ihn bereiteten Kissen nieder, richtete sich gerade auf und versetzte [den Geist] in klare Vergegenwärtigung.

Viele Mönche näherten sich dann dem Ort, wo sich der Erhabene befand, und als sie ihn erreichten, verbeugten sie sich mit dem Kopf zu seinen Füßen, umrundeten den Erhabenen drei Mal und ließen sich dann auf einer Seite nieder.



2-1

Zu dieser Zeit setzte sich auch der Sthavira Subhuti, der zu eben diesem Gefolge gehörte. Der ehrbare Subhuti erhob sich dann von seinem Sitz, hängte das Umschlagtuch seiner Robe über eine Schulter, kniete mit dem rechten Knie auf der Erde nieder und verneigte sich mit zusammengelegten Händen vor dem Erhabenen. Dann ersuchte er den Erhabenen mit folgenden Worten:

2-2

"Erhabener, es ist erstaunlich, in welchem Ausmaß der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha den Großen Bodhisattvas den höchsten zu erbringenden Nutzen hat zukommen lassen, in welchem Maße der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha den Großen Bodhisattvas die höchste zu erweisende Gunst erwiesen hat – es ist erstaunlich, o Sugata. Erhabener, wie sollte jemand, der wirklich ins Fahrzeug der Bodhisattvas eingetreten ist, darin verbleiben, wie es verwirklichen, wie den Geist am besten lenken?"

2-3

"Gut, gut, Subhuti. Ganz recht, Subhuti, so ist es. Der Tathagata hat den Großen Bodhisattvas höchsten Nutzen zukommen lassen; der Tathagata hat den Großen Bodhisattvas umfassende Gunst erwiesen. Also höre, Subhuti, und behalte es gut im Sinn. Wie jemand, der wirklich ins Fahrzeug der Bodhisattvas eingetreten ist, darin verbleiben, es verwirklichen, den Geist am besten lenken soll: Ich will es dir sagen."

2-4

"So sei es, Erhabener"



3-1

"Dazu, Subhuti, sollte jemand, der wirklich ins Fahrzeug der Bodhisattvas eingetreten ist, das Bewusstsein entwickeln, indem er denkt: Wie viele es unter den Arten der Lebewesen auch gibt – seien es aus dem Ei Hervorgegangene, aus einem Leib Geborene, aus Wärme und Feuchtigkeit oder durch Wunder Entstandene, ob mit Form oder ohne Form, ob mit Unterscheidung, ob ohne, oder ob sie unterscheidungslos und doch nicht ohne Unterscheidung sind – so vielen auch in den Bereichen der Lebewesen die Bezeichnung Lebewesen zukommt, sie alle werde ich dazu bringen, über alles Leid hinauszugelangen in den Bereich des Nirvana ohne Überreste von Skandhas. Doch obwohl so unermesslich viele Lebewesen über alles Leid hinausgelangt sein werden, so wird doch gar kein Lebewesen über alles Leid hinausgelangt sein. 

Warum? Subhuti, wenn ein Bodhisattva sich auf die Unterscheidung von Lebewesen einlässt, ist er nicht Bodhisattva zu nennen. 

Warum? Weil niemand, der sich auf Unterscheidung von Lebewesen, Unterscheidung von Lebendigem, Unterscheidung von Personen einlässt, Bodhisattva zu nennen ist."



4-1

"Subhuti. Ein Bodhisattva sollte auch Gaben geben, ohne bei Dingen zu verweilen, Subhuti. Er sollte Gaben geben, ohne bei irgendetwas zu verweilen. Er sollte auch geben, ohne bei Formen zu verweilen, und desgleichen sollte er geben, ohne bei Tönen, Gerüchen, Geschmäckern, Tastbarem und Phänomenen zu verweilen. 

Subhuti, ohne bei der Unterscheidung von überhaupt irgendetwas als Merkmal zu verweilen - so gibt ein Bodhisattva Gaben. 

Warum? Subhuti, das Ausmaß der Anhäufung von positivem Potenzial eines Bodhisattvas, der gibt, ohne bei irgendetwas zu verweilen, ist nicht leicht zu erfassen. 

Was meinst du, Subhuti: Ist es leicht, das Ausmaß des östlichen Himmelsraums zu erfassen?"

4-2

"Erhabener, das ist es nicht."

4-3

"Und ebenso – Subhuti, was meinst du, ist es leicht, das Ausmaß des südlichen, westlichen, nördlichen Himmelsraumes, des Raumes über uns, unter uns, eines der Himmelsrichtungen dazwischen oder des Raumes aller zehn Richtungen zu erfassen?"

4-4

"Erhabener, das ist es nicht."

4-5

"Eben deshalb, Subhuti - genauso ist auch das Ausmaß von positivem Potenzial eines Bodhisattvas, der Gaben gibt, ohne bei etwas zu verweilen, nicht leicht zu erfassen, Subhuti."



5-1

"Was meinst du, Subhuti, ist jemand anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten?"

5-2

"Erhabener, so ist es nicht; jemand ist nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten. 

Warum? Weil eben die vollkommenen Merkmale, die der Tathagata nannte, nicht vollkommene Merkmale sind."

5-3

"Insofern es vollkommene Merkmale gibt, Subhuti, insofern sind sie falsch. Soweit es vollkommene Merkmale nicht gibt, so weit sind sie nicht falsch. In dieser Weise sollte man den Tathagata als Merkmal und merkmalslos ansehen."



6-1

"Erhabener, wie kann es geschehen, dass in der Zukunft am Ende der letzten 500 [Jahre der Lehre], wenn der heilige Dharma völlig vernichtet sein wird, irgendwelche Wesen korrekte Unterscheidung in Bezug auf solche Erklärungen der Sūtra-Worte hervorbringen?"

6-2

"Subhuti, sprich nicht so - wie es geschehen kann, dass in der Zukunft am Ende der letzten 500 Jahre, wenn der Dharma völlig zugrunde gerichtet sein wird, irgendwelche Wesen korrekte Unterscheidung in Bezug auf solche Erklärungen der Sutra-Worte hervorbringen. Subhuti, auch in der Zukunft, am Ende der letzten 500 Jahre, wenn der heilige Dharma völlig zugrunde gegangen sein wird, wird es Große Bodhisattvas geben, die Ethik besitzen, Qualitäten besitzen und Weisheit besitzen. 

Auch haben jene Großen Bodhisattvas nicht [nur] einem Buddha Ehre erwiesen, nicht [nur] vor einem Buddha Wurzeln von Heilsamem hervorgebracht, Subhuti, sondern es werden Große Bodhisattvas auftauchen, die vielen hunderttausend Buddhas Ehre erwiesen, vor vielen hunderttausend Buddhas Wurzeln von Heilsamem hervorgebracht haben. Der Tathagata kennt sie, der Tathagata sieht sie, die auch nur einen einzigen Bewusstseinszustand von Vertrauen in solche Erklärungen der Sutra-Worte erlangt haben, Subhuti. All diese Wesen, Subhuti, werden unermessliche Anhäufungen positiven Potenzials hervorbringen und ansammeln. 

Warum ist das so? Weil jene Großen Bodhisattvas, Subhuti, sich nicht auf die Unterscheidung eines Selbst einlassen, auf Unterscheidung von Lebewesen, auf Unterscheidung von Lebendigem, auf Unterscheidung von Personen einlassen werden. Jene Großen Bodhisattvas werden sich weder auf die Unterscheidung [von etwas] als 'Phänomen' noch als 'Nicht-Phänomen' einlassen; sie werden sich weder auf Unterscheidung noch auf Unterscheidungslosigkeit einlassen, Subhuti. 

Warum? Wenn die Großen Bodhisattvas sich auf Unterscheidung von Phänomenen einlassen würden, so wäre eben dies auch ein Auffassen von jenen als Selbst, Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Lebendiges, Auffassen als Person. Und wenn sie sich auf Unterscheidung von Phänomenen als 'selbstlos' einlassen würden, so wäre auch dies ein Auffassen von jenen als Selbst, Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Lebendiges, Auffassen als Person. 

Warum? Bodhisattvas sollten Phänomene weder verkehrt auffassen noch Nicht-Phänomene erfassen, Subhuti. Wenn diejenigen, die wissen, dass diese Aufstellung des Dharma wie ein Boot ist, sogar Dharmas aufgeben sollen - was braucht man da Nicht-Dharmas noch zu erwähnen?"



7-1

"Was meinst du, Subhuti: gibt es den Dharma der Buddhaschaft, welcher vom Tathagata in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung vollkommen verwirklicht wurde, überhaupt? Meinst du, dass der Tathagata solch einen Dharma überhaupt lehrte?"

7-2

"Erhabener, wie ich die Bedeutung dessen verstehe, was der Erhabene lehrte, so gibt es überhaupt keinen Dharma der Buddhaschaft, den der Tathagata in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung vollkommen verwirklichte. Der Dharma, den der Tathagata lehrte, existiert überhaupt nicht. 

Warum? Weil der Dharma, den der Tathagata in vollkommener Buddhaschaft verwirklichte oder zeigte, nicht zu erfassen ist, nicht auszudrücken ist; er ist weder Dharma noch Nicht-Dharma. 

Warum? Weil die Edlen Wesen sich durch Nicht-Zusammengesetztes auszeichnen."



8-1

"Subhuti, was meinst du: Wenn irgendein Sohn oder eine Tochter edler Art dieses große Weltensystem von tausend mal tausend mal tausend Welten ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und als Gabe darbrächte, würde jener Sohn oder jene Tochter edler Art auf dieser Grundlage eine immense Anhäufung positiven Potenzials hervorbringen?"

8-2

"Immens, Erhabener, immens, Sugata. Der Sohn oder die Tochter edler Art brächte auf dieser Grundlage immense Anhäufung positiven Potenzials hervor. 

Warum? Weil eben diese Anhäufung positiven Potenzials keine existente Anhäufung ist; also lehrte der Tathagata so [genannte] 'Anhäufung positiven Potenzials, Anhäufung positiven Potenzials'."

8-3

"Subhuti, verglichen mit einem Sohn oder einer Tochter edler Art, der oder die dieses große Weltensystem von tausend mal tausend mal tausend Welten ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und als Gabe darbrächte, bringt jemand, wenn er auch nur einen vierzeiligen Vers dieser Aufstellung des Dharma erfasst hat, anderen völlig richtig erklärt und völlig korrekt lehrt, auf dieser Grundlage eine Anhäufung positiven Potenzials hervor, die noch viel größer, zahllos und unermesslich ist. 

Warum? Weil daraus die unübertreffliche, vollständige Erleuchtung der Tathagatas, Arhats, vollkommenen Buddhas entstanden ist, Subhuti; auch die erhabenen Buddhas sind daraus entstanden. 

Warum? Die Buddha-Dharmas, die Buddha-Dharmas genannt werden, jene Buddha-Dharmas lehrte der Tathagata als nicht existent, Subhuti, deshalb sind sie 'Buddha-Dharmas' zu nennen.



9-1

"Subhuti, was meinst du - denkt jemand, der in den Strom eingetreten ist: 'Ich habe das Ergebnis des Stromeintritts erreicht'?"

9-2

"Erhabener, es ist nicht so. 

Warum? Weil er überhaupt nirgends eingetreten ist, Erhabener; deshalb wird er 'jemand, der in den Strom eingetreten ist' genannt. Er ist weder in Formen eingetreten noch in Töne, Gerüche, Geschmäcker und Tastbares, noch ist er in Phänomene eingetreten; daher wird er 'jemand, der in den Strom eingetreten ist' genannt. 

Warum? Erhabener, wenn der in den Strom Eingetretene dächte: 'Ich habe das Ergebnis des Stromeintritts erreicht', so würde eben dies zum Auffassen dessen als Selbst, zum Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Lebendiges, Auffassen als Person führen."

9-3

"Was meinst du, Subhuti - denkt derjenige, der [nur noch] einmal wiederkehrt: 'Ich habe das Ergebnis des Einmal-Wiederkehrens erreicht'?"

9-4

"Erhabener, es ist nicht so. 

Warum? Weil überhaupt kein Phänomen des Eingetretenseins in eben dieses Einmal-Wiederkehren existiert - deshalb wird es '[nur noch] Einmal-Wiederkehren' genannt. 

Warum? Erhabener, wenn der Einmal- Wiederkehrer dächte: 'Ich habe das Ergebnis des Einmal-Wiederkehrens erreicht', so würde eben dies zum Auffassen dessen als Selbst, zum Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Lebendiges, Auffassen als Person führen."

9-5

"Subhuti, was meinst du - denkt derjenige, der nicht mehr wiederkehrt: 'Ich habe das Ergebnis des Nicht-mehr-Wiederkehrens erreicht'?"

9-6

"Erhabener, es ist nicht so. 

Warum? Weil überhaupt kein Phänomen des Eingetretenseins in eben dieses Nicht- mehr-Wiederkehren existiert - deshalb wird es 'Nicht-mehr-Wiederkehren' genannt."

9-7

"Subhuti, was meinst du - denkt ein Arhat: 'Ich habe das Ergebnis der Arhatschaft erreicht'?"

9-8

"Erhabener, es ist nicht so. 

Warum? Erhabener, weil das 'Arhat' genannte Phänomen überhaupt nicht existiert. Wenn ein Arhat dächte: 'Ich habe das Ergebnis der Arhatschaft erreicht', würde eben dies zum Auffassen dessen als Selbst, zum Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Lebendiges, Auffassen als Person führen. 

Erhabener, der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha hat mir die Vorhersage als einem Hervorragenden unter denen, die ohne Geistesplagen bleiben, gemacht; dennoch, Erhabener, und wäre ich auch Arhat, frei von Begierden, so dächte ich, o Erhabener, nicht: 'Ich bin Arhat'. Erhabener, dächte ich: 'Ich habe Arhatschaft erreicht', so hätte der Tathagata mir nicht prophezeit: 'Subhūti, der Sohn edler Art, ist hervorragend unter denen, die ohne Geistesplagen bleiben – weil er bei überhaupt nichts verweilt, bleibt er ohne Geistesplagen.'"



10-1

"Was meinst du, Subhuti, existiert jener Dharma, welchen der Tathagata vom Tathagata, Arhat, vollkommenen verwirklichten Buddha Dipankara empfing, überhaupt?"

10-2

"Erhabener, es ist nicht so. Der Dharma, welchen der Tathagata von dem Tathagata Dipankara empfing, existiert überhaupt nicht."

10-3a

10-3b

"Subhuti, würde ein Bodhisattva sagen: 'Ich werde die errichteten [Buddha-]Felder verwirklichen', so wäre das unwahr gesprochen. Warum? Die errichteten [Buddha-]Felder, die errichtete [Buddha-]Felder genannt werden, Subhuti, - jene Errichtungen sind vom Tathagata als nicht-existent gelehrt worden, deshalb sind sie 'errichtete [Buddha-]Felder' zu nennen."

10-4

"Folglich sollte ein Großer Bodhisattva das Bewusstsein entwickeln, ohne auf solche Art zu verweilen, Subhuti, sollte das Bewusstsein entwickeln, ohne bei überhaupt irgendetwas zu verweilen. Das Bewusstsein sollte auch entwickelt werden ohne bei Formen zu verweilen und auch ohne bei Tönen, Gerüchen, Geschmäckern, Tastbarem und Phänomenen zu verweilen."

10-5

"Zur Veranschaulichung Folgendes, Subhuti: Wenn der Körper eines Lebewesens, zum Beispiel, so wie der König der Berge, Berg Meru, ist - was meinst du, Subhuti, ist dieser Körper groß?"

10-6

"Dieser Körper ist groß, Erhabener, dieser Körper ist groß, Sugata. 

Warum? Der Tathagata lehrte, dass er kein Ding ist; deshalb wird dieser Körper 'groß' genannt. Weil er kein Ding ist, deswegen wird er Körper genannt."



11-1

"Subhuti, was meinst du: Wenn es ebenso viele Ganges- Flüsse gäbe, wie es Sandkörner im Flussbett des Ganges gibt, wären die Sandkörner all jener Ganges-Flüsse zahlreich?"

11-2

"Erhabener, wenn die Ganges- Flüsse schon so viele wären, was soll man da erst von deren Sandkörnern sagen!"

11-3

"Subhuti, du sollst es wertschätzen, sollst es ganz verstehen: Wenn ein Mann oder eine Frau so viele Weltensysteme wie die Sandkörner all jener Ganges- Flüsse ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und den Tathagatas, Arhats, vollkommenen Buddhas als Gabe darbrächte, was meinst du, Subhuti, würde jener Mann oder jene Frau auf dieser Grundlage immenses positives Potenzial entwickeln?"

11-4

"Immens, Erhabener, immens, Sugata. Jener Mann oder jene Frau würde auf dieser Grundlage immenses positives Potenzial entwickeln."

11-5

"Subhuti, verglichen mit jemandem, der so viele Weltensysteme ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und den Tathagatas, Arhats, vollkommenen Buddhas darbrächte, erzeugt jemand, wenn er auch nur einen vierzeiligen Vers dieser Aufstellung des Dharma erfasst hat, anderen ganz richtig erklärte und völlig korrekt lehrte, auf eben dieser Grundlage noch viel mehr, unzählbares, unermessliches positives Potenzial."



12-1

"Und, Subhuti, wenn schon der Ort, an welchem auch nur ein vierzeiliger Vers dieser Aufstellung des Dharma ausgesprochen oder gelehrt wird, zu einer Verehrungsstätte der Welt samt Göttern, Halbgöttern und Menschen wird, was braucht man dann noch zu erwähnen, dass jemand, der diese Aufstellung des Dharma aufnimmt, aufschreibt, behält, berührt, liest, ganz versteht und sich angemessen zu Bewusstsein bringt, zu etwas höchst Erstaunlichem wird! An jenem Ort verweilt unser Lehrer [Buddha] oder wer sonst als geeignete/r spirituelle/r Meister/in gilt."



13-1

"Wie heißt diese Aufstellung des Dharma, Erhabener, wie soll sie behalten werden?"

13-2

"Diese Aufstellung des Dharma heißt Vollkommenheit der Weisheit, Subhuti, behaltet sie so. 

Warum? Weil die Vollkommenheit der Weisheit, die der Tathagata lehrte, nicht die Vollkommenheit der Weisheit ist, Subhuti, deshalb ist sie 'Vollkommenheit der Weisheit' zu nennen."

13-3

"Subhuti, was meinst du - existiert überhaupt irgendein Dharma, den der Tathagata lehrte?"

13-4

"Erhabener, ein Dharma, den der Tathagata lehrte, existiert überhaupt nicht."

13-5

"Subhuti, was meinst du: Sind es viele Staubpartikel, die es im großen Weltensystem der tausend mal tausend mal tausend Welten gibt?"

13-6a

13-6b

"Erhabener, es sind viele Staubpartikel, Sugata, es sind viele, 

Warum? Erhabener, der Tathagata lehrte, was Staubpartikel sind, als nicht-existente Partikel, deshalb sind sie 'Staubpartikel' zu nennen. Was Weltensysteme sind, hat der Tathagata als nicht-existente Weltensysteme gelehrt, deshalb sind sie 'Weltensysteme' zu nennen."

13-7

"Subhuti, was meinst du: Ist jemand anhand der 32 Merkmale Großer Wesen als Tathagata, Arhat, vollkommener Buddha zu betrachten?"

13-8

"Erhabener, es ist nicht so. Warum? Weil die 32 Merkmale Großer Wesen, die vom Tathagata gelehrt worden sind, als merkmalslos gelehrt worden sind, deshalb sind sie 'die 32 Merkmale Großer Wesen' zu nennen."

13-9

"Subhuti, verglichen mit einem Mann oder einer Frau, der/die die so viele Körper, wie es Sandkörner im Flussbett des Ganges gibt, vollständig aufgegeben hat, bringt jemand, wenn er auch nur einen vierzeiligen Vers dieser Darstellung des Dharma erfasst und anderen richtig gelehrt hat, auf dieser Grundlage noch viel mehr, zahlloses, unermessliches positives Potenzial hervor [als jene]."



14-1

Da kamen dem ehrbaren Subhuti, bewegt durch die Kraft des Dharma, die Tränen. Nachdem er die Tränen fortgewischt hatte, sagte er zum Erhabenen:

14-2

"Auf wie viele Weisen der Tathagata diese Darstellung des Dharma gelehrt hat, ist erstaunlich, Erhabener, erstaunlich, Sugata. Erhabener, seit meine ursprüngliche Weisheit entstand, habe ich diese Aufstellung des Dharma noch nirgends gehört.  Erhabener, all die Wesen, die korrekte Unterscheidung in Bezug auf diese Sūtra-Erklärung entwickeln, werden höchst erstaunlich sein. 

Warum? Erhabener, was korrekte Unterscheidung ist, eben dies ist keine Unterscheidung; daher lehrte der Tathagata so [genannte] korrekte Unterscheidung. Erhabener, dass ich die Erklärung dieser Darstellung des Dharma verstehe und wertschätze, nicht das erstaunt mich, sondern die Wesen späterer Zeit, Erhabener, in der Zeit der letzten 500 [Jahre der Lehre], welche diese Aufstellung des Dharma aufnehmen, aufschreiben, behalten, berühren, lesen und ganz verstehen, die werden etwas höchst Erstaunliches sein. Und, Erhabener, sie werden sich nicht auf die Unterscheidung eines Selbst einlassen, sich nicht auf die Unterscheidung als Lebewesen, Unterscheidung als Lebendiges, Unterscheidung als Person einlassen. 

Warum? Was Unterscheidung als Selbst, Unterscheidung als Lebewesen, Unterscheidung als Lebendiges, Unterscheidung als Person ist, eben das ist keine existente Unterscheidung. 

Warum? Weil die Buddhas, Tathagatas, frei von allen Unterscheidungen sind."

14-3

"So ist es, Subhuti. So ist es. Lebewesen, welche bei dieser Sutra-Erklärung nicht erschrecken, sich nicht fürchten, nicht von Furcht erfüllt sein werden, sind etwas höchst Erstaunliches. 

Warum? Subhuti, diese höchste Vollkommenheit der Weisheit, gelehrt vom Tathagata, die höchste Vollkommenheit der Weisheit, welche der Tathagata lehrte, ist von zahllosen erhabenen Buddhas ebenfalls gelehrt worden; deshalb ist sie 'höchste Vollkommenheit der Weisheit' zu nennen."

14-4

"Und, Subhuti, die Vollkommenheit der Geduld, die der Tathagata lehrte, eben diese ist nicht vollkommen.

Warum? Subhūti, zu jener Zeit, als der König von Kaliṇga mir Gliedmaßen und kleinere Teile des Körpers abtrennte, kam in mir keine Unterscheidung als ein Selbst, als Lebewesen, als Lebendiges, als Person auf; in mir war keine Unterscheidung und auch keine Nicht-Unterscheidung. 

Warum? Subhuti, wenn zu jener Zeit in mir Unterscheidung als Selbst aufgekommen wäre, wäre zu der Zeit auch die Unterscheidung von Böswilligkeit entstanden; und wenn Unterscheidung als Lebewesen, als Lebendiges, als Person aufgekommen wäre, so wäre ebenfalls die Unterscheidung von Übelwollen entstanden. Subhuti, durch Hellsicht weiß ich, dass auch als ich 500 Leben in vergangener Zeit ein Rishi namens 'Verkünder von Geduld' war, keine Unterscheidung als Selbst, Unterscheidung als Lebewesen, Unterscheidung als Lebendiges und als Person in mir aufkam. 

Indem er also jegliche Unterscheidungen völlig aufgibt, Subhuti, sollte ein Großer Bodhisattva das Streben nach unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung entwickeln. Diese Einstellung sollte auch entwickelt werden, ohne bei Formen zu verweilen und auch ohne bei Tönen, Gerüchen, Geschmäckern und Tastbarem zu verweilen. Das Bewusstsein soll entwickelt werden, indem man auch bei Phänomenen nicht verweilt. Das Bewusstsein soll entwickelt werden, indem man auch bei Nicht-Phänomenen nicht verweilt. Das Bewusstsein soll entwickelt werden, ohne bei überhaupt irgendetwas zu verweilen. 

Warum? Was verweilt, eben das verweilt nicht. Deswegen hat der Tathagata gesagt: Der Bodhisattva soll Gaben geben, ohne bei irgendetwas zu verweilen. Und so, Subhuti, soll der Bodhisattva zum Wohl aller Wesen die Gabe vollständig hingeben. Eben das, was Unterscheidung als Lebewesen ist, ist keine Unterscheidung. Die, die der Tathagata alle Lebewesen nennt, eben diese Lebewesen sind ebenfalls nicht-existent."

14-5

"Warum? Weil der Tathagata einwandfrei spricht, wahr spricht, so spricht, wie es ist. Weil der Tathagata nicht verkehrt spricht, Subhuti. Und, Subhuti, in dem Dharma, den der Tathagata in vollkommener Buddhaschaft verwirklichte oder zeigte, ist weder Wahrheit noch Falschheit."

14-6

"Subhuti, zur Veranschaulichung Folgendes: So wie ein Mensch, der Augen hat und in Dunkelheit eintritt, nichts sieht – so ist ein Bodhisattva zu betrachten, der eine Gabe ganz und gar hingibt, weil er in [die Vorstellung von etwas als] Ding verfällt. Oder, Subhuti, zur Veranschaulichung Folgendes: So wie ein Mensch, der Augen hat, bei Tagesanbruch, wenn die Sonne aufgeht, vielerlei Formen sieht – so ist ein Bodhisattva zu betrachten, der eine Gabe ganz und gar hingibt, ohne in [die Vorstellung von etwas als] Ding zu verfallen. Und Subhuti, die Söhne und Töchter edler Art, die diese Aufstellung des Dharma aufnehmen, behalten, berühren, lesen, ganz verstehen und anderen ausführlich und völlig korrekt lehren - der Tathagata kennt sie, der Tathagata sieht sie. All diese Wesen werden unermessliche Anhäufungen positiven Potenzials hervorbringen."



15-1

"Und Subhuti, wenn, verglichen mit einem Mann oder einer Frau, der oder die zur Morgenzeit so viele Körper vollständig aufgibt, wie es Sandkörner im Flussbett des Ganges gibt, zur Mittags- und Abendzeit wiederum so viele Körper wie Sandkörner im Flussbett des Ganges vollständig aufgibt und in solcher Anzahl viele Millionen Billiarden Äonen lang Körper vollständig aufgibt - wenn dann jemand, der diese Darstellung des Dharma, nachdem er sie gehört hat, nicht ablehnt, daraus noch viel mehr, [nämlich] zahlloses, unermessliches positives Potenzial hervorbringt, was soll man dann erst von jemandem sagen, der sie, nachdem sie niedergeschrieben ist, aufnimmt, behält, berührt, liest, ganz versteht und anderen ausführlich und völlig korrekt lehrt! 

Subhuti, diese Aufstellung des Dharma ist unvorstellbar und unvergleichlich, und auch ihr vollständiges Heranreifen sollte als genauso unvorstellbar erkannt werden. Der Tathagata hat sie zum Wohle der Wesen gelehrt, die wirklich ins höchste Fahrzeug eingetreten sind, zum Wohle der Wesen, die wirklich ins vortrefflichste Fahrzeug eingetreten sind. Der Tathagata kennt sie, der Tatagata sieht sie, die diese Aufstellung des Dharma aufnehmen, behalten, berühren, lesen, ganz verstehen, anderen ausführlich und völlig korrekt lehren. All diese Wesen werden mit einer unermesslichen Anhäufung positiven Potenzials ausgestattet sein, mit einer unvorstellbaren, unvergleichlichen, unschätzbaren, maßlosen Anhäufung positiven Potenzials ausgestattet sein. All diese Wesen tragen meine Erleuchtung auf der Schulter.

Warum? Diejenigen mit Hang zum Niederen können diese Aufstellung des Dharma nicht hören, Subhuti, nicht diejenigen mit der Ansicht eines Selbst, der Ansicht als Lebewesen, der Ansicht als Lebendiges, der Ansicht als Person - sie können dies nicht hören, aufnehmen, behalten, lesen, ganz verstehen; das ist nicht möglich. 

Selbst der Ort, Subhuti, an welchem dieses Sutra gelehrt wird, ist würdig verehrt zu werden von der Welt samt Göttern, Menschen und Halbgöttern; dieser Ort ist der Verneigung würdig und der Umrundung, dieser Ort wird gleichsam zu einem Schrein."



16-1

"Doch werden die Söhne und Töchter edler Art, welche die Worte eines solchen Sutra aufnehmen, behalten, berühren, lesen, ganz verstehen, geplagt werden, schwer geplagt werden, Subhuti. 

Warum? Weil diesen Wesen dadurch, dass sie geplagt werden, in eben diesem Leben bereinigt wird, was sie in früheren Leben an unheilsamen Handlungen begangen haben, welche [sonst] zu Geburten in niederen Bereichen führen würden. Sie werden auch die Erleuchtung des Buddha erlangen, Subhuti.

Subhuti, durch Hellsicht weiß ich, dass es in einer Zeit, die noch viel länger zurückliegt als ein zahlloses Äon, viel früher noch als selbst vor dem Tathagata, Arhat, vollkommenen Buddha Dipankara, 84 Millionen Billiarden Buddhas gab, die ich erfreut habe, nicht enttäuscht habe, da ich nichts tat, was sie betrübte. Subhuti, von allem, was ich tat, jene erhabenen Buddhas zu erfreuen, sie nicht zu enttäuschen, und dem, was in späterer Zeit, in den letzten 500 [Jahren der Lehre], jemand tut, der dieses Sutra aufnimmt, aufschreibt, behält, berührt, liest und ganz versteht, kommt dieser letzteren Anhäufung positiven Potenzials jene frühere Anhäufung positiven Potenzials nicht mal zum hundertsten Teil, nicht einmal zu einem Tausendstel oder Hunderttausendstel auch nur nahe, sie kann Zahl, Berechnung, Maß, Beispiel, Vergleich und Grund nicht standhalten. 

Subhuti, wenn ich beschreiben würde, wie viel positives Potenzial die Söhne und Töchter edler Art zu der Zeit erhalten, würde den Wesen schwindelig werden und ihr Geist ganz verwirrt. 

Subhuti, diese Aufstellung des Dharma ist unvorstellbar und unvergleichlich, und auch ihr vollständiges Heranreifen sollte als genauso unvorstellbar erkannt werden."



17-1

"Wie sollen diejenigen, die wirklich ins Fahrzeug der Bodhisattvas eingetreten sind, darin verbleiben, wie es ausüben, wie den Geist am besten lenken, Erhabener?"

17-2

"Dazu, Subhuti, sollte jemand, der wirklich ins Fahrzeug der Bodhisattvas eingetreten ist, das Bewusstsein entwickeln, indem er denkt: Ich werde alle Lebewesen dazu bringen, über alles Leid hinauszugelangen in den Bereich des Nirvana ohne Überreste von Skandhas. Doch obwohl so unermesslich viele Lebewesen über alles Leiden hinausgelangt sein werden, wird doch gar kein Lebewesen über alles Leid hinausgelangt sein. 

Warum? Subhuti, wenn ein Bodhisattva sich auf die Unterscheidung von Lebewesen einlässt, ist er nicht Bodhisattva zu nennen, und auch wenn er sich auf [die anderen] Unterscheidungen bis hin zu der der Person einlässt, ist er nicht Bodhisattva zu nennen. 

Warum? Weil die wirklich ins 'Bodhisattva-Fahrzeug Eingetretensein' genannten Phänomene überhaupt nicht existieren, Subhuti."

17-3

"Was meinst du, Subhuti: Existiert jener Dharma, welchen der Tathagata von dem Tathagata Dipankara in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung, verwirklichter, vollkommener Buddhaschaft erlangte, überhaupt?"

17-4

"Jener Dharma, welchen der Tathagata von dem Tathagata Dīpakara in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung, verwirklichter, vollkommener Buddhaschaft erlangte, existiert überhaupt nicht, Erhabener."

17-5

"So ist es, Subhuti, so ist es. Der Dharma, welchen der Tathagata von dem Tathagata Dipankara in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung, verwirklichter, vollkommener Buddhaschaft erlangte, existiert überhaupt nicht. Würde irgendein Dharma, den der Tathagata von dem Tathagata Dipankara in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung, verwirklichter, vollkommener Buddhaschaft erlangte, existieren, Subhuti, so hätte mir der Tathagata Dipankara nicht prophezeit: 

'Brahmanen-Junge, du wirst einst in Zukunft der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha Shakyamuni genannt werden'. 

Subhuti, weil der Dharma der in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung verwirklichten, vollkommenen Buddhaschaft überhaupt nicht existiert, deswegen hat der Tathagata Dipankara mir prophezeit: 

'Brahmanen-Junge, du wirst einst in Zukunft der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha Shakyamuni genannt werden'. 

Warum? Weil 'Tathagata' eine Bezeichnung für die Soheit der Realität ist, Subhuti. Wenn irgendjemand sagt: 'Der Tathagata, Arhat, vollkommene Buddha hat in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung die vollkommene Buddhaschaft verwirklicht', so spricht er verkehrt, Subhuti. 

Warum? Weil jener Dharma der in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung vollkommen verwirklichten Buddhaschaft überhaupt nicht existiert, Subhuti. In dem Dharma, den der Tathagata in vollkommener Buddhaschaft verwirklichte oder zeigte, ist weder Wahrheit noch Falschheit, Subhuti. 

Daher hat der Tathagata gesagt: 'Alle Dharmas sind Buddha-Dharmas'. Sie alle - alle so genannten Dharmas, Subhuti - sind keine Dharmas; deswegen wird gesagt: 'Alle Dharmas sind Buddha-Dharmas'. 

Subhuti, es ist folgendermaßen – wie wenn zum Beispiel ein Wesen mit einem menschlichen Körper versehen und der Körper groß wäre."

17-6

"Erhabener, was der Tathagata 'Wesen mit einem menschlichem Körper versehen' und 'großer Körper' nannte, das wurde vom Tathagata als nicht-existenter Körper gelehrt; deswegen ist es 'mit Körper versehen' und 'großer Körper' zu nennen."

17-7a


"So ist es, Subhuti, so ist es. Ein Bodhisattva, welcher sagt: 'Ich werde alle Wesen dazu bringen, über alles Leid hinauszugelangen, ist nicht Bodhisattva zu nennen. Warum? Meinst du, Subhuti, dass das Bodhisattva genannte Phänomen überhaupt existiert?"

17-7b

"Erhabener, es ist nicht so."

17-7c

"Deswegen hat der Tathagata gesagt: 'Alle Dharmas sind ohne Lebewesen, ohne Lebendiges, ohne Person', Subhuti. Wenn irgendein Bodhisattva sagt: 'Ich werde die errichteten [Buddha-]Felder verwirklichen' - dies ist ebenfalls nicht so auszudrücken, Subhuti. 

Warum? Die errichteten [Buddha-] Felder, die errichtete [Buddha-]Felder genannt werden, Subhuti, - jene Errichtungen sind vom Tathagata als nicht-existent gelehrt worden, deshalb sind sie 'errichtete [Buddha-]Felder' zu nennen. Einen Bodhisattva, welcher Phänomene ohne Selbst, genannt 'Phänomene ohne Selbst', wertschätzt, Subhuti, den nennt der Tathagata, der Arhat, der vollkommene Buddha einen Großen Bodhisattva."



18-1

"Subhuti, was meinst du, besitzt der Tathagata das physische Auge?"

18-2

"So ist es, Erhabener. Der Tathagata besitzt das physische Auge."

18-3

"Subhuti, was meinst du, besitzt der Tathagata das göttliche Auge?"

18-4

"So ist es, Erhabener. Der Tathagata besitzt das göttliche Auge."

18-5

"Subhuti, was meinst du, besitzt der Tathagata das Auge der Weisheit?"

18-6

"So ist es, Erhabener. Der Tathagata besitzt das Auge der Weisheit."

18-7

"Subhuti, was meinst du, besitzt der Tathagata das Auge des Dharma?"

18-8

"So ist es, Erhabener. Der Tathagata besitzt das Auge des Dharma."

18-9

"Subhuti, was meinst du, besitzt der Tathagata das Buddha-Auge?"

18-10

"So ist es, Erhabener. Der Tathagata besitzt das Buddha-Auge."

18-11

18-12

18-13

"Subhuti, was meinst du - wenn die Sandkörner, die es im Flussbett des Ganges gibt, zu ebenso vielen Ganges-Flussbetten würden, und deren Sandkörner zu ebenso vielen Weltenbereichen, wären die Weltenbereiche dann viele?"

18-14

"Erhabener, so wäre es. Es wären viele Weltenbereiche."

18-15

"Subhuti, die Bewusstseinsströme der unterschiedlichen Gedanken sämtlicher Lebewesen, die es in jenen Weltenbereichen gibt, erkenne ich ganz genau. 

Warum ist das so? Weil der Bewusstseinsstrom, der Bewusstseinsstrom genannt wird, Subhuti, vom Tathagata als nicht-existenter Bewusstseinsstrom gelehrt wurde; deshalb ist er 'Bewusstseinsstrom' zu nennen. 

Warum? Weil ein vergangenes Bewusstsein nicht zu beobachten ist, ein zukünftiges Bewusstsein nicht zu beobachten ist und auch ein jetzt entstandenes Bewusstsein nicht zu beobachten ist."



19-1

"Subhuti, was meinst du: Wenn jemand dieses große Weltensystem von tausend mal tausend mal tausend Welten ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und als Gabe darbrächte, würde dann dieser Sohn oder diese Tochter edler Art auf jener Grundlage immenses positives Potenzial hervorbringen?"

19-2

"Immens, Erhabener, immens, Sugata."

19-3

"So ist es, Subhuti, so ist es. Der Sohn oder die Tochter edler Art brächte auf jener Grundlage eine immense Anhäufung positiven Potenzials hervor. 

Aber wenn 'Anhäufung positiven Potenzials' Anhäufung positiven Potenzials wäre, hätte der Tathagata die 'Anhäufung positiven Potenzials' genannte Anhäufung positiven Potenzials nicht gelehrt."



20-1

"Subhuti, was meinst du: Ist jemand anhand der vollkommenen Verwirklichung des Formkörpers als Tathagata zu betrachten?"

20-2

"Erhabener, so ist es nicht. Jemand ist nicht anhand der vollkommenen Verwirklichung des Formkörpers als Tathagata zu betrachten. 

Warum? Erhabener, weil die so genannte vollkommene Verwirklichung des Formkörpers vom Tathagata als nicht-existente vollkommene Verwirklichung gelehrt wurde; deshalb ist sie 'vollkommene Verwirklichung des Formkörpers' zu nennen."

20-3

"Subhuti, was meinst du: Ist jemand anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten?"

20-4

"Erhabener, so ist es nicht. Jemand ist nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten. 

Warum? Weil die vollkommenen Merkmale, die der Tathagata lehrte, vom Tathagata als nicht-existente vollkommene Merkmale gelehrt worden sind; deshalb sind sie 'vollkommene Merkmale' zu nennen."



21-1a

21-1b

"Subhuti, was meinst du - falls du meinst, der Tathagata hegt den Gedanken: 'Ich habe den Dharma aufgezeigt' - sieh es nicht so an, Subhuti, denn den vom Tathagata aufgezeigten Dharma gibt es überhaupt nicht."

21-2

"Subhuti, wenn jemand sagt: 'Der Tathagata zeigte den Dharma auf', so würde mich das herabsetzen, Subhuti, weil dieser nicht existiert und verkehrt aufgefasst wäre. 

Warum? Subhuti, der so genannte aufgezeigte Dharma, der aufgezeigte Dharma, auf den [man sich] als 'aufgezeigter Dharma' bezieht, jener Dharma existiert überhaupt nicht."

21-3

"Erhabener, wird es in zukünftiger Zeit Lebewesen geben, welche, nachdem sie solche Dharma-Erklärungen gehört haben, klar und deutlich davon überzeugt sein werden?"

21-4

"Subhuti, jene sind weder Lebewesen noch nicht Nicht- Lebewesen. 

Warum? Die so genannten Lebewesen, die wurden vom Tathagata als nicht-existente Lebewesen gelehrt, Subhuti; deshalb sind sie 'Lebewesen' zu nennen.



22-1a

"Was meinst du, Subhuti, existiert der Dharma der vom Tathagata in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung verwirklichten, vollkommenen Buddhaschaft überhaupt?"

22-1b

"Erhabener, der Dharma der vom Tathagata in unübertrefflicher, vollständiger Erleuchtung vollkommen verwirklichten Buddhaschaft existiert überhaupt nicht."

22-2

"So ist es, Subhuti, so ist es. Darin ist auch nicht das kleinste bisschen Dharma zu beobachten und existiert auch nicht. Deshalb ist sie 'unübertreffliche, vollständige Erleuchtung' zu nennen."



23

"Und jener Dharma ist gleichartig, Subhuti; es gibt keinerlei Ungleichheit, er ist gleichermaßen ohne Lebewesen, ohne Lebendiges, ohne Person; vollkommene Buddhaschaft wird durch alle die heilsamen Dharmas verwirklicht.  Und die heilsamen Dharmas, die heilsame Dharmas genannt werden, Subhuti, eben die wurden vom Tathagata als nicht-existente heilsame Dharmas gelehrt; deshalb sind sie 'heilsame Dharmas' zu nennen.



24

"Und, Subhuti, auch wenn irgendein Sohn oder eine Tochter edler Art so viele Anhäufungen der Sieben Kostbaren Dinge zusammentrüge, wie es höchste Berge, Könige der Berge, im großen Weltensystem der tausend mal tausend mal tausend Welten gibt, und als Gabe darbrächte, und demgegenüber jemand auch nur einen vierzeiligen Vers aus diesem Sutra der Vollkommenheit der Weisheit aufnimmt und auch anderen lehrt, so kommt die erstere Anhäufung positiven Potenzials dieser letzteren nicht einmal zu einem Hundertstel auch nur nahe, hält dieser bis zum Grunde nicht stand."



25

"Subhuti, was meinst du: Hegt der Tathagata den Gedanken: 'Ich habe Lebewesen befreit'? Falls du so denkst - Subhuti, sieh es nicht so an. 

Warum? Weil die Lebewesen, welche vom Tathagata befreit wurden, überhaupt nicht existieren, Subhuti. Wenn irgendein Lebewesen vom Tathagata befreit worden wäre, Subhuti, wäre eben dies ein Auffassen des Tathagata als Selbst, ein Auffassen als Lebewesen, Auffassen als Person, Ergreifen als Lebendiges. Subhuti, als der Tathagata die so genannte Auffassung vom Selbst als nicht-existente Auffassung lehrte, hielten kindische gewöhnliche Lebewesen dennoch daran fest. 

Subhuti, die so genannten kindischen gewöhnlichen Lebewesen wurden vom Tathagata als eben nicht-existente Lebewesen gelehrt, Subhuti; deshalb sind sie 'kindische gewöhnliche Lebewesen' zu nennen."



26-1

"Subhuti, was meinst du: Ist jemand anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten?"

26-2

"Erhabener, so ist es nicht. Jemand ist nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten."

26-3

"So ist es, Subhuti, so ist es: Jemand ist nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten. Wäre jemand anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten, so wäre auch ein Chakravartin ein Tathagata; folglich ist jemand nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten."

26-4

"Erhabener, so wie ich die Bedeutung dessen, was der Erhabene lehrte, verstehe: Jemand ist nicht anhand vollkommener Merkmale als Tathagata zu betrachten."

26-5

Zu dieser Zeit sprach dann der Erhabene folgende Verse:

26-6

"Diejenigen, welche mich sehen als Form,
Diejenigen, welche mich kennen als Ton,
Sind auf verkehrte Wege geraten;
Diese Wesen sehen nicht mich.

Sieh die Buddhas als Dharmata [die Natur aller Phänomene];
Die Führer des Weges sind Dharmakaya [Körper letzendlicher Wahrheit].
Da Dharmata nicht zu 'kennen' ist,
Kann man es nicht in Aspekten erkennen."



27

"Subhuti, was meinst du, wenn man den Tathagata, Arhat, in vollständiger Erleuchtung vollkommen verwirklichten Buddha aufgrund vollkommener Merkmale erfasst - Subhuti, so solltest du es nicht sehen, denn der Tathagata, Arhat, ist nicht aufgrund vollkommener Merkmale ein vollkommen verwirklichter Buddha, Subhuti.

Subhuti, falls du es so auffasst, dass diejenigen, die wirklich ins Bodhisattva- Fahrzeug eingetreten sind, irgendwelche Phänomene zerstört oder vernichtend geschildert hätten - so ist es nicht anzusehen, Subhuti. Die wirklich ins Bodhisattva- Fahrzeug Eingetretenen haben überhaupt kein Phänomen zerstört oder vernichtend geschildert."



28-1

"Nochmals, Subhuti, verglichen mit einem Sohn oder einer Tochter edler Art, welche/r so viele Weltensysteme, wie es Sandkörner im Flussbett des Ganges gibt, mit den Sieben Kostbaren Dingen ganz anfüllte und als Gabe darbrächte, bringt ein Bodhisattva, wenn er in Bezug auf diese Aufstellung des Dharma - Nicht-Selbst und Nicht-Entstehen – Duldsamkeit erreicht, auf eben dieser Grundlage eine Anhäufung positiven Potenzials hervor, die viel mehr, zahllos und unermesslich ist. Jedoch sollten Bodhisattvas Anhäufung positiven Potenzials nicht erfassen, Subhuti."

28-2

"Erhabener, der Bodhisattva soll Anhäufung positiven Potenzials nicht erfassen?"

28-3

"Zwar erfassen, doch nicht verkehrt erfassen. Von daher ist es 'Erfassen' zu nennen."



29

"Auch wenn irgendjemand sagt: 'Der Tathagata geht, kommt, erhebt sich, verweilt, legt sich nieder', Subhuti, versteht er die Bedeutung nicht, die ich erklärte. 

Warum? Subhuti, weil der, den man Tathagata [den 'Dahingegangenen'] nennt, weder irgendwohin geht noch irgendwoher kommt. Deshalb ist er 'Tathagata, Arhat, vollkommener Buddha' zu nennen."



30-1

"Subhuti, und wenn ein Sohn oder eine Tochter edler Art alle Erdkrumen, die es im großen Weltensystem von tausend mal tausend mal tausend Welten gibt, zum Beispiel so wie eine Anhäufung feinster Teilchen zu Puder zermahlte - was meinst du, Subhuti, wäre die Anhäufung feinster Teilchen dann immens?"

30-2

"Erhabener, so ist es, die Anhäufung feinster Teilchen wäre immens. Warum? Der Erhabene hätte nicht 'Anhäufung feinster Teilchen' gesagt, wenn eine Anhäufung von Teilchen existent wäre, Erhabener. 

Warum? Die Anhäufung feinster Teilchen, die der Erhabene lehrte, wurde vom Tathagata als nicht-existente Anhäufung gelehrt; deshalb ist sie 'Anhäufung feinster Teilchen' zu nennen. Das Weltensystem der tausend mal tausend mal tausend Welten, das der Erhabene lehrte, wurde vom Tathagata als nicht- existentes Weltensystem gelehrt; deshalb ist es 'das große Weltensystem von tausend mal tausend mal tausend Welten' zu nennen. 

Warum? Erhabener, würde das Weltensystem existieren, würde man es als ein festes Ganzes erfassen. Warum? Was der Tathagata als 'Erfassen als festes Ganzes' lehrte, lehrte er als nicht-existentes Erfassen; deshalb ist es 'Erfassen als festes Ganzes' zu nennen."

30-3

"Subhuti, Erfassen als festes Ganzes ist ein Begriff; wenn auch das Phänomen nicht als Aussprechbares existiert, so halten kindische gewöhnliche Lebewesen doch eben daran fest.



31-1

Subhuti, wenn jemand sagt: 'Der Tathagata lehrte die Ansicht vom Selbst, der Tathagata lehrte die Ansicht als Lebewesen, als Lebendiges, als Person - wäre das eine korrekt gesprochene Aussage?"

31-2

"Erhabener, es wäre nicht so, Sugata, es wäre nicht so. 

Warum? Was der Tathagata als Ansicht vom Selbst lehrte, lehrte er als nicht-existente Ansicht; deshalb ist es 'Ansicht vom Selbst' zu nennen."

31-3

"Dazu, Subhuti: Wer wirklich ins Bodhisattva-Fahrzeug eingetreten ist, sollte alle Dharmas auf diese Weise erkennen, sehen und wertschätzen: keinesfalls in deren Unterscheidung als irgendein Dharma verweilend. 

Warum? Subhuti, Unterscheidung als Dharma, genannt 'Unterscheidung als Dharma', wurde vom Tathagata als nicht-existente Unterscheidung gelehrt; deshalb ist sie 'Unterscheidung als Dharma' zu nennen."



32-1

"Nochmals, Subhuti, verglichen mit einem Großen Bodhisattva, der zahllose, unermessliche Weltensysteme ganz mit den Sieben Kostbaren Dingen anfüllte und als Gabe darbrächte, bringt ein Sohn oder eine Tochter edler Art, wenn er oder sie auch nur einen vierzeiligen Vers aus dieser Vollkommenheit der Weisheit, nachdem sie niedergeschrieben ist, aufnimmt, berührt, liest, ganz versteht, anderen ausführlich und völlig korrekt lehrt, auf eben dieser Grundlage eine Anhäufung positiven Potenzials hervor, die noch viel mehr, zahllos und unermesslich ist.Und wie sollte man völlig korrekt lehren? Wie völlig korrektes, nicht existentes Lehren - so lehrt man bestens und korrekt. Von daher wird es völlig korrektes Lehren genannt.

Wie einen Stern, eine Luftspiegelung, eine Butterlampe,
Wie Illusion, Tautropfen, Luftblasen im Wasser,
Wie einen Traum, einen Blitz, eine Wolke -
So sieh alles an, was zusammengesetzt ist."

32-2

Nachdem der Erhabene diese Worte gesprochen hatte, erfreuten sich der Sthavira Subhuti,  die Großen Bodhisattvas, der vierfache Kreis des Sangha - Mönche, Nonnen sowie Männer und Frauen mit Laiengelübden, die in Haushalten lebten - und die Welt samt Göttern, Halbgöttern und Gandharvas daran und priesen zuhöchst, was der Erhabene gelehrt hatte.